Einsatzreiches Jahr bei der Feuerwehr Bruchsal

12. Apr, 2024

Feuerwehrkommandant Bernd Molitor eröffnete am 12. April die Hauptversammlung der Feuerwehr Bruchsal im Bürgerzentrum Bruchsal. Er begrüßte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, Bürgermeister Andreas Glaser, Bürgermeister a.D. und Landtagsabgeordneter Ulli Hockenberger, die Vertreter des Bruchsaler Gemeinderates und alle Gäste. Im Rückblick auf das vergangene Jahr hatte die Feuerwehr Bruchsal 579 Angehörige, davon 346 in den Einsatzabteilungen – ein Zuwachs von 19 Feuerwehrangehörigen, was erfreulicherweise an der Jugendfeuerwehr liegt. Mit 867 Einsätzen und Alarmierungen hatte die Feuerwehr einiges zu tun. In der Summe waren das 22 Alarme mehr als im Jahr 2022 und das, obwohl es im Gegensatz zu 2022 deutlich weniger Wald- und Vegetationsbrände gab. Bei den Einsätzen konnten 45 Menschen gerettet werden, für acht Personen kam leider jede Hilfe zu spät. Die hohe Einsatzanzahl in einem Jahr ohne Schwerpunktschadenslagen ist auch für eine Freiwillige Feuerwehr in Bruchsal grenzwertig. Wie lange ist dies noch in dieser Form leistbar? Nicht nur die nüchternen Zahlen sind erschreckend, es verbirgt sich auch ein großer Aufwand in Aus- und Fortbildungen sowie an Hintergrundtätigkeiten um die Einsatzfähigkeit jederzeit leisten zu können. Es ist offen und ehrlich festzustellen: Wir kommen an unsere Grenzen der Leistungsfähigkeit.

Das Jahr 2023 war geprägt vom Aufholen verschobener Termine. Im Juni fand das Kreisjugendzeltlager der Jugendfeuerwehr Landkreis Karlsruhe in Bruchsal statt. 755 Jugendliche und 120 Helferinnen und Helfer erlebten ein buntes Programm an Aktivitäten. Sein Dank galt allen Organisatoren und Unterstützern für dieses großartige Event. Im Juni fand unter dem Motto „Wir sind da“ der Tag der Bundeswehr statt. Auch hier war die Feuerwehr im Vorfeld stark eingebunden und stellte an dem Tag etliche Einsatzkräfte für alle Eventualitäten bereit. Im Juli fand eine Großübung bei der Firma SEW-EURODRIVE statt, bei der alle Abteilungen eingebunden waren. Gemeinsames Ziel war es, besser auf einen möglichen Ernstfall vorbereitet zu sein.

Der Bevölkerungsschutz stellt eine wesentliche Säule der Sicherheitsarchitektur der Stadt Bruchsal dar. Im Verwaltungsausschuss wurden einzelne operative Bausteine des Bevölkerungsschutzes für die Stadt Bruchsal vorgestellt. Beispielhaft seien hier die Leuchttürme zur Bevölkerungsinformation sowie Komponenten der Notunterkunft zu nennen. Beides bereits im Jahr 2020 beschafft, beide Aspekte wurden vom Land im Jahr 2022 als Empfehlung herausgegeben. Mit der Präsentation eines Krisenmanagementsystems wurde dem Gemeinderat ermöglicht, eine rahmengebende Budgetentscheidung für den Bevölkerungsschutz zu treffen. Mit diesem Konzept und den Maßnahmen wird es möglich sein, strukturiert und verlässlich den Bürgerinnen und Bürgern mehr Sicherheit zu gewährleisten. „Vor diesem Hintergrund bleibt zu hoffen, dass nicht nur Bruchsal es verstanden hat, sich für die zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen richtig aufzustellen. Auch Bund und Länder müssen es verstanden haben, dass grundlegend wieder mehr in unsere Sicherheit und den Schutz der Bevölkerung investiert werden muss.“ so Molitor.

Mit einer kurzen Anekdote aus einem Satire-Magazin mit der Überschrift „Wer die Dienste der Feuerwehr in Anspruch nehmen will, muss künftig im Voraus einen Termin vereinbaren.“ führte Molitor vor Augen, das es selbstverständlich ist und erwartet wird, dass nach Absetzen des Notrufs unmittelbar und schnell qualifizierte Hilfe anrückt. Er wies darauf hin, dass die Feuerwehren und Einheiten des Bevölkerungsschutzes im Land überwiegend durch ehrenamtliche Kräfte gebildet werden. Können diese Standards auf Dauer gehalten werden und wie sieht die Resilienz, mit der Fähigkeit zur Selbsthilfe unserer Bevölkerung aus? Das Planungswerk der Feuerwehr Bruchsal ist die Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans im 5-Jahres-Rhythmus. Ende April soll der Feuerwehrbedarfsplan im Gemeinderat beschlossen werden und die Weichen für bedeutsame Entscheidungen der nächsten Jahre stellen. Wichtige Eckpunkte sind im neuen Feuerwehrbedarfsplan:

  • Die ehrenamtlichen Kräfte sind weiterhin die „tragende Säule“ des Systems der Feuerwehr
    • Ergänzung der hauptamtlichen Funktionsbesetzungen in der Zeit werktags tagsüber
    • Vollständige Aufgabenwahrnehmung in der übrigen Zeit durch Ehrenamtliche
  • Weitere wesentliche Säulen sind:
    • Guter baulicher und funktionaler Zustand der Standorte
    • Bedarfsgerechte Fahrzeugausstattung
    • Einbindung aller Abteilung in das Einsatzgeschehen
    • Unterstützung durch hauptamtliche Kräfte im „rückwärtigen Bereich“
  • Verfügbarkeit ehrenamtlicher Einsatzkräfte erhöhen – Personalfördernde Maßnahmen
  • Langfristig weiterhin intensive Unterhaltung und Förderung der Kinder- und Jugendfeuerwehr

Das komplette Gutachten der Firma Luelf+ werde zeitnah nach der Verabschiedung im Gemeinderat zur Verfügung gestellt. Molitor Danke zum Ende seines Berichtes allen Feuerwehrangehörigen für ihren Einsatz und das Engagement. Ein besonderer Dank galt den Partnern der Feuerwehr und an die Familien der Angehörigen ohne deren Unterstützung dies alles nicht möglich wäre. Sein Dank galt auch allen Blaulichtorganisationen für die hervorragende Zusammenarbeit. Er dankte der Stadt Bruchsal, Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, Bürgermeister Andreas Glaser und dem Gemeinderat für den zuverlässigen Rückhalt und die Unterstützung. Danke auch an den Fachbereichsleiter Dr. Martin-Peter Oertel, Ordnungsamtsleiter Oliver Bienek, den Mitarbeitern in der Abteilung Bevölkerungsschutz, seinen Stellvertretern und den Mitgliedern im Feuerwehrausschuss.

Jugendwartin Manuela Günter gab in ihrem Jahresbericht einen Einblick in die Aktivitäten der Jugendfeuerwehr. Mit 138 Mitgliedern hatte die Jugendfeuerwehr einen Zuwachs von 20 Mitgliedern. Interessanterweise haben sich die letzten Jahre mehr Mädchen für die Jugendfeuerwehr interessiert. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Anzahl weiblicher Mitglieder verdoppelt. Sie ist sehr zufrieden mit den Steigerungen und der Zuwachs ist somit im Sinn des Feuerwehrbedarfsplans. Als Anregung für die Planung und Beschaffungen in der Zukunft regte sie an, großzügig bei und für genügend Nachwuchs zu planen.

Mit zahlreichen Aktivitäten war die Jugendfeuerwehr auch im letzten Jahr wieder gut beschäftigt. Besonders erwähnenswert ist hier das Kreisjugendzeltlager der Jugendfeuerwehr Landkreis Karlsruhe in Bruchsal. Mit knapp 1000 Teilnehmern wurde für 5 Tage eine kleine Zeltstadt errichtet. Bei zahlreichen Aktivitäten mit dem Höhepunkt eines Fackelumzugs mit allen Teilnehmern hatten die Kinder und Jugendlichen ein buntes Programm aus Spiel, Spaß und Aktivitäten geboten bekommen. Sie dankte allen beteiligten und Verantwortlichen für die Planung und Durchführung des Zeltlagers. Aber auch den Unterstützern bei Aktivitäten das ganze Jahr über möchte sie nochmals Danke sagen. Sie dankte der Stadt Bruchsal und der Feuerwehr Bruchsal für die Unterstützung und das immer offene Ohr für Belange der Jugendfeuerwehr.

Altersobmann Ullrich Koukola berichtete von einigen Aktivitäten der Altersabteilung. Bei verschiedenen Veranstaltungen oder Ausflügen trafen sich die Alterskameraden und verbrachten angenehme Stunden zusammen.

Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick lobte in ihrer Ansprache die hervorragende Jugendarbeit. Starke Einsatzzahlen auf einem hohen Level und die Allzuständigkeit der Feuerwehr. Hierfür ihr Dank im Namen der Bevölkerung für diesen Dienst. Im Verlauf betrachtet war es ein „normales“ Jahr mit Herausforderungen ohne Schwerpunkt bei den Einsätzen. Über 1100 Einsatzstunden für die Einsatzkräfte zuzüglich der Aus- und Fortbildungen sowie Übungen sind eine enorme Leistung im Ehrenamt. Der Feuerwehrbedarfsplan ist eine gute Abbildung von Notwendigkeit und Finanzlast so Petzold-Schick. Der Gemeinderat und die Verwaltung weiß, was die Feuerwehr leistet und wertschätzt das im Feuerwehrbedarfsplan befürwortete Ehrenamt und die Bevölkerung in den Ortsteilen und der Kernstadt mit haupt- und ehrenamtlichen Kräften, Material und Investitionen zu versorgen. Sie dankte den Feuerwehrangehörigen und deren Familien für das Engagement und die nicht unerhebliche Investition von Freizeit bei der Bewältigung der Aufgaben.

Im Anschluss an die Ansprache konnten Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick und Bürgermeister Andreas Glaser noch einige Ehrungen vornehmen.

40-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr Bruchsal

  • Gerhard Eißler (Abteilung Helmsheim)
  • Bernd Feldmann (Abteilung Helmsheim)
  • Heiko Huber (Abteilung Helmsheim)
  • Michael Hiller (Abteilung Heidelsheim)
  • Steffen Zimmermann (Abteilung Heidelsheim)
  • Martin Adam (Abteilung Bruchsal)
  • Josef Pokluda (Abteilung Bruchsal)
  • Thomas Zeh (Abteilung Bruchsal)
  • Dietmar Fox (Abteilung Untergrombach)
  • Thomas Frieß (Abteilung Untergrombach)

50-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr Bruchsal

  • Pius Weih (Abteilung Büchenau)
  • Harry Gramlich (Abteilung Heidelsheim)

60-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr Bruchsal

  • Siegfried Graf (Abteilung Heidelsheim)

Bürgermeister a.D. und Landtagsabgeordneter Ulli Hockenberger konnte nach einem kurzen Grußwort noch einige Ehrungen des Landes Baden-Württemberg vornehmen.

25 Jahre Einsatzdienst in der Feuerwehr

  • Denis Lampert (Abteilung Heidelsheim)
  • Patrick Lindenfelser (Abteilung Obergrombach)
  • Florian Höfs (Abteilung Bruchsal)

40 Jahre Einsatzdienst in der Feuerwehr

  • Gerhard Eißler (Abteilung Helmsheim)
  • Bernd Feldmann (Abteilung Helmsheim)
  • Heiko Huber (Abteilung Helmsheim)
  • Hans-Peter Knoch (Abteilung Büchenau)
  • Michael Hiller (Abteilung Heidelsheim)
  • Martin Blanck (Abteilung Bruchsal)
  • Dietmar Fox (Abteilung Untergrombach)
  • Manfred Wolf (Abteilung Untergrombach)

50 Jahre Einsatzdienst in der Feuerwehr

  • Pius Weih (Abteilung Büchenau)

Der stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwart Manfred Wolf ergriff als Nächstes das Wort und konnte eine weitere Ehrung vornehmen. Für die vorbildliche Arbeit und das in besonderem Maße eingebrachte Engagement in die Jugendarbeit konnte er Andreas Bühler aus der Abteilung Helmsheim mit der Ehrennadel der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg in Silber auszeichnen.

Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Eckhard Helms durfte eine Ehrung des Landesfeuerwehrverbandes tätigen. In einer Ansprache mit einer Auflistung der umfassenden ehrenamtlichen Tätigkeiten und dem herausragenden Engagement eines Feuerwehrkameraden über viele Jahrzehnte konnte er Thomas Frieß aus der Abteilung Untergrombach mit dem Ehrenkreuz des Deutschen Feuerwehrverbandes in Silber auszeichnen.

Bürgermeister Andreas Glaser eröffnete mit den Worten „Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen“ seine Ansprache für eine weitere Ehrung. Im Frühjahr 2022 war man auf der Suche nach einem verlässlichen Partner für die Sicherstellung der Betriebsmittelversorgung der Feuerwehr und dem Konzern der Stadt Bruchsal. Es gab eine Person, die nicht lange überlegen musste und der Anfrage mit dem Wortlaut begegnete „Als Bruchsaler Bürger sehe ich dies als meine Bürgerpflicht an – natürlich werde ich sie in ihrem Anliegen unterstützen“. Binnen kurzer Zeit konnte eine vertragliche Lösung gefunden werden, die es ermöglicht, im Krisenfall auf die Betriebsmittel der Firma Karl Rossnagel GmbH & Co KG Mineralöle in Bruchsal zurückzugreifen. Bürgermeister Glaser konnte namentlich Herrn Geschäftsführer Ulrich Löffler zum „Partner der Feuerwehr“ auszeichnen.

Manchmal stehen wir im Einsatz, technischen oder auch einsatztaktischen Herausforderungen gegenüber – manchmal aber auch befinden wir uns ebenfalls in Einsatzsituationen, die uns sprichwörtlich unter die Haut gehen. Es sind Einsätze, die uns mit dem Leid anderer konfrontieren, uns in menschliche Abgründe schauen lassen und uns nachdenklich machen. Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe arbeitet flächendeckend ein großes Team daran, das emotionale Herausforderungen bei Einsatzkräften besser bewältigt werden. Diese Arbeit stellt für die Feuerwehr Bruchsal eine große Ressource dar und die Feuerwehr möchte mit einer Spende an die PSNV – NFS einfach mal, Danke sagen. Molitor konnte an Diakon Thomas Christl dafür einen Spendenscheck überreichen, um die Unterfinanzierung dieser Arbeit etwas abzufedern.

Im Anschluss an die Ehrungen konnte Molitor der ehemaligen Ordnungsamtsleiterin Jessica Deutsch als Erinnerung und als Dankeschön noch ein Erinnerungsstück an die Feuerwehr Bruchsal überreichen. Er erinnerte im Anschluss noch an die anstehende Großübung am 28. April im Bürgerzentrum Bruchsal und warb für den am 4. Mai stattfindenden Hoffnungslauf im „Team Feuerwehr“ ein paar Runden für den guten Zweck zu laufen. Im Anschluss waren alle in gemütlicher Runde ins Feuerwehrhaus Bruchsal eingeladen zu einem gemütlichen Abschluss bei guten Gesprächen und einem Imbiss.

Bericht: Tibor Czemmel

Bilder: [tcz]

Einsatzberichte dieses Jahr veröffentlicht

165

Brandeinsätze 86
   davon Brandmeldeanlagen 36
      BMA Fehlalarme 33
Hilfeleistungen 76
   davon First Responder 0
Umwelteinsätze 0
Fehlalarme (ohne BMA) 3

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