Neujahrsempfang 2026 der Feuerwehr Bruchsal

6. Jan., 2026

Traditionsgemäß fand am heutigen 6. Januar 2026 der Neujahrsempfang der Feuerwehr Bruchsal im Feuerwehrhaus Bruchsal statt, um das vergangene Jahr 2025 Revue passieren zu lassen.

Das Jahr 2025 war für die Feuerwehr Bruchsal von vielfältigen und teils belastenden Einsätzen geprägt, die nicht nur technische, sondern auch menschliche Herausforderungen mit sich brachten. Besondere Einsätze bildeten Brandstiftungen, Wald- und Vegetationsbrände und die Unterstützung bei dramatischen Ereignissen wie dem Zusammenstoß eines Tanklasters mit einer Stadtbahn oder dem Gebäudeeinsturz nach einer Gasexplosion – beides Einsätze in Ubstadt-Weiher, bei denen die Freiwillige Feuerwehr Bruchsal unterstützte. Zudem wurden wichtige Investitionen in Technik und Aus- und Weiterbildung getätigt, um die Einsatzfähigkeit zu gewährleisten. Die Jugendfeuerwehr leistete wertvolle Beiträge in verschiedenen Bereichen, und der Bevölkerungsschutz wurde durch den Ausbau von Infrastruktur und Kompetenz weiter gestärkt. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit mit anderen Rettungsorganisationen und der Bundeswehr.

Rückblick des Kommandanten

In seinem Rückblick betonte Kommandant Bernd Molitor, dass die Feuerwehr Bruchsal 2025 erneut sehr gefordert war und auf eine breite Einsatzpalette zurückblicken kann. Als ein herausragend tragisches Ereignis nannte er den Stadtbahnunfall in Zeutern im März 2025, bei dem die Feuerwehr Ubstadt-Weiher unterstützt wurde. Brandstiftungen, die sowohl im Stadtgebiet als auch in Wäldern für zusätzliche Einsätze sorgten, prägten das Jahr. Besonders intensiv war der Einsatz am 19. Juli 2025, bei dem mehrere PKW auf dem Gelände eines Mercedes-Benz-Autohauses und eines Gebrauchtwagenhändlers in Brand gerieten. Weitere Brände und Unwettereinsätze wie am Tag der Stichwahl zum Oberbürgermeister am 27. Juli 2025 stellten weitere große Herausforderungen dar. Am Jahresende, so der Kommandant, wurden erneut mehrere Brandstiftungen registriert.

Insgesamt wurden 915 Einsätze verzeichnet, wobei 68 Menschen gerettet werden konnten, jedoch auch für 13 Personen jede Hilfe zu spät kam. Bei den Einsätzen wurden 72 Menschen verletzt, darunter zwei Feuerwehrangehörige. Bei den 915 Einsätzen gab es 181 Fehlalarme. 131 Alarmierungen betrafen die Auslösung von Brandmeldeanlagen (BMA), wovon auch etliche Fehlalarmierungen dabei waren.

Im Bereich der Technik und Ausrüstung wurden im Jahr 2025 wichtige Neuerungen eingeführt. Besonders hervorzuheben sind die Einführung der Überdrucktechnik im Atemschutzbereich sowie der digitale Einsatzstellenfunk, der für mehr Sicherheit und eine verbesserte Kommunikation sorgt. Des Weiteren wurde das dritte Wechselladerfahrzeug in den Dienst gestellt, was die Logistik und Flexibilität bei Einsätzen erhöht. Die Beschaffung eines neuen Tanklöschfahrzeugs 4000 als Ersatzfahrzeug wurde ebenfalls beschlossen.

Zudem startete innerhalb der Feuerwehr ein Digitalisierungsprozess, um Verwaltung und Einsatzunterstützung effizienter zu gestalten. Die Maßnahmen aus diesem Prozess sollen die Feuerwehr dabei unterstützen, schneller und besser auf komplexe Einsatzlagen reagieren zu können.

Besonders hob Kommandant Molitor die sehr aktive Rolle der Jugendfeuerwehr bei verschiedenen Veranstaltungen, Übungen und Aktionen im Jahr 2025 hervor. Sie zeigte nicht nur Engagement in der praktischen Ausbildung, sondern auch bei weiteren Aktivitäten wie der Christbaumsammlung oder dem Kreiszeltlager. Die Nachwuchsarbeit ist für die Zukunft der Feuerwehr von zentraler Bedeutung, betonte Bernd Molitor.

Im Bereich Bevölkerungsschutz wurden mehrere Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur getroffen, wie die Anschaffung von Notstromanlagen und die Modernisierung von Sirenenstandorten. Ein weiteres Highlight war das Training zur Koordination von Einsätzen in komplexen Lagen, das im November 2025 durchgeführt wurde.

Abschließend verwies der Kommandant darauf, dass die Feuerwehr nur durch das Engagement ihrer Mitglieder, eine gute Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen und kontinuierliche Investitionen in Technik und Ausbildung ihre Leistungsfähigkeit aufrechterhalten kann. Ein weiterer Dank ging an alle Unterstützer im Hintergrund, die zum Erfolg der Feuerwehrarbeit beitragen.

Grußwort des Oberbürgermeisters

In seinem Grußwort bedankte sich der neue Oberbürgermeister Sven Weigt für den Einsatz der Feuerwehr, die im vergangenen Jahr ihre Aufgaben mit Bravour gemeistert hat. Besonders hervorzuheben ist die schnelle Reaktionszeit der Einsatzkräfte.

Besonders in Bezug auf unvorhergesehene Herausforderungen wie beispielsweise den aktuellen Stromausfall in Berlin wird die Bedeutung von Prävention und Vorbereitung wichtig, so Sven Weigt. Solche Lagen müssen künftig mitgedacht werden.

Er stellte klar, dass auch mit ihm als Oberbürgermeister und in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat die Feuerwehr hohe Priorität genießen wird. Im Rahmen der derzeit wirtschaftlichen und finanziellen Herausforderung der Stadt wird es bedarfsgerecht weiterhin gezielte Investitionen geben. Der Oberbürgermeister verwies hier auf den noch im Dezember 2025 gefassten Gemeinderatsbeschluss zur Ersatzbeschaffung eines Tanklöschfahrzeugs 4000. Dies sei ein positives Signal im Hinblick auf die kontinuierliche Weiterentwicklung der Feuerwehr und ihrer Ausrüstung.

Ein abschließender Dank des Oberbürgermeisters ging sowohl an die Feuerwehr als auch an die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Blaulichtorganisationen für ihren unermüdlichen Einsatz und auch an den Gemeinderat für die Unterstützung und Zusammenarbeit, die die optimale Ausstattung und Einsatzbereitschaft der Feuerwehr gewährleisten.

Vortrag zum Thema „Zukunft und Herausforderungen für unsere Feuerwehren“ von Landesbranddirektor Thomas Egelhaaf

Vor seinem Vortrag dankte Thomas Egelhaaf zunächst für die Einladung und sprach auch allen anwesenden Einsatzkräften seinen Dank für die 2025 geleistete Arbeit aus. Als eine der größeren Freiwilligen Feuerwehren in Baden-Württemberg besteht bei der Feuerwehr Bruchsal ein hohes Einsatzaufkommen und eine große Bandbreite an Einsätzen.

Wirft man einen Blick in die Zukunft, so Egelhaaf sinngemäß, dann zeichnen sich einige wesentliche Veränderungen ab, auf die sich die Feuerwehr vorbereiten sollte. Die Anzahl der Einsätze wird weiterhin steigen, die Abstände zwischen den Einsätzen verkürzen sich und die Dynamik erhöht sich sowohl gesellschaftlich als auch innerhalb der Feuerwehr selbst. Traditionell war die Erfahrung ein maßgebliches Kriterium in der Feuerwehrarbeit, doch in Zukunft wird verstärkt auf Wissen und Ausbildung gesetzt werden, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Auf die folgenden fünf Punkte ging Landesbranddirektor Egelhaaf in seinem Vortrag ein:

1. Finanzierung:
Die zunehmend schwierige finanzielle Lage der Gemeinden hat auch Auswirkungen auf die Finanzierung der Feuerwehren. Strengere Priorisierungen der Kommunen und eine zentrale Beschaffung von Fahrzeugen werden notwendig werden. Hier ist das Land bereits einen ersten Schritt bei der Förderung von Feuerwehrfahrzeugen gegangen. In Zukunft wird es zu Einsparungsdiskussionen kommen, und es stellt sich die Frage, welche Standards gehalten werden müssen und welche unter Umständen angepasst werden können.

2. Gesellschaftlicher Wandel:
Die Mitgliedszahlen in den Feuerwehren steigen – ein positives Signal. Allerdings zeigt sich, dass sich immer mehr Mitglieder projektbezogen engagieren. Die langfristige Bindung an einen Verein oder eine Organisation – wie sie in der Vergangenheit üblich war – ist so heute nicht mehr gegeben. Das bedeutet, dass viele nur zeitlich befristet zur Verfügung stehen. Weiter erkennbar ist bei länger andauernden Einsätzen, dass häufig nur ein Drittel der Feuerwehrangehörigen aufgrund familiärer, beruflicher oder anderer Verpflichtungen verfügbar sind. Auch die körperliche Leistungsfähigkeit, insbesondere der Rückgang der Atemschutzgeräteträger, ist ein besorgniserregender Trend, dem sich die Feuerwehren entgegenstellen müssen.

3. Bürokratie:
Der bürokratische Aufwand stellt ein komplexes Spannungsfeld dar. Einerseits wird seitens der Kommunen und Feuerwehren die Vielzahl an Prüfungen und Normen als problematisch empfunden, andererseits gibt es den Wunsch, dass vieles von oben geregelt wird. Hier ein gutes Maß zu finden, ist herausfordernd. Dazu laufen aktuell Gespräche zur Vereinfachung und Optimierung von Vorschriften, etwa durch den Abbau von Verweisen auf Normen oder eine Optimierung/Reduzierung bei Unfallverhütungsvorschriften (UVV). Dies setzt jedoch voraus bzw. hat zur Folge, dass die Feuerwehren mehr Eigenverantwortung übernehmen müssen und mehr Entscheidungen auf kommunaler Ebene zu treffen sind.

4. Demokratische Strukturen und klare Hierarchie:
Die demokratischen Strukturen einerseits und die klaren Hierarchien im Einsatz andererseits sind ein Plus der Feuerwehren. Es ist wichtig, diese beizubehalten, da die Fähigkeit, im Einsatz Entscheidungen klar strukturiert, schnell und effizient zu treffen, entscheidend für den Einsatzerfolg ist. Eine Entscheidungsfindung bei der Beschaffung von Fahrzeugen und Ausrüstung o.ä., die gut überlegt und abgewogen sein muss und auch Zeit benötigt, kann nur im freien Austausch in offenen Strukturen erfolgen.

5. Veränderung des Aufgabenspektrums:
Ein weiteres Thema ist das sich ändernde Aufgabenspektrum. Brände gehen zurück, während Bagatelleinsätze und Unwettereinsätze steigen. Es stellt sich die Frage, welche Aufgaben der Feuerwehr tatsächlich als Pflichtaufgaben gelten sollen und welche nicht. Es ist notwendig, offen und ehrlich darüber zu sprechen, was die Feuerwehr leisten kann und will. Zukünftig müssen hier die Zuständigkeiten klarer definiert werden, insbesondere da Feuerwehren in der Vergangenheit einige kommunale Aufgaben entweder an sich gezogen oder übertragen bekommen haben.

Die Feuerwehr steht vor großen Veränderungen, so das Resümee von Thomas Egelhaaf. Diese Veränderungen können jedoch gemeinsam gemeistert werden.

Weitere Grußworte

Von Seiten der Bundeswehr, die in Bruchsal Standorte unterhält, sprach Oberst Lutz Neumann ein Grußwort. Er verwies darauf, dass das Vorhandensein eines funktionierenden und belastbaren Netzwerks die Basis für eine gute Zusammenarbeit darstellt. Ein solches Netzwerk sei in Bruchsal über alle Rettungs- und Sicherheitsorganisationen hinaus vorhanden. Damit ist sichergestellt, dass in Bruchsal und darüber hinaus Hilfe da ist, wenn sie gebraucht wird. Dies schafft Vertrauen und das ist wesentlich. Ein Dank ging an alle Einsatzkräfte, die sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen einsetzen und sich dazu teilweise auch selbst in Gefahr begeben. Er wünschte ihnen, dass sie allzeit unbeschadet von ihren Einsätzen zurückkommen.

In seinem Grußwort sprach Landtagsabgeordneter Ulli Hockenberger davon, dass er auf seiner „Abschiedstournee“ sei, da er in diesem Jahr aus dem Landtag ausscheiden werde. Ab nächstem Jahr werde er „nur“ noch als Feuerwehrangehöriger beim Neujahrsempfang teilnehmen. Er erinnerte an einige Erlebnisse und Einsätze, bei denen er in seiner Zeit als Feuerwehrdezernent und Bürgermeister dabei war: 2010 beim Brand in einem Seniorenwohnheim in Büchenau, bei dem zwei Personen verstarben, 2013 beim Hochwasser in Heidelsheim und 2015, als die Feuerwehr während der Flüchtlingskrise Feldbetten in der Übungshalle der Landesfeuerwehrschule aufbaute. In Erinnerung war ihm auch noch die Frage eines Passanten nach einem Wohnungsbrand, weshalb da so viele Feuerwehrfahrzeuge stehen müssen, und seine Antwort darauf, ob der Passant diese Frage auch stellen würde, wenn sein Haus gebrannt hätte. In seiner letzten offiziellen Rede beim Neujahrsempfang der Feuerwehr dankte er allen Einsatzkräften für ihr Engagement, ihre Einsatzbereitschaft und die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.

Der Leiter des Polizeireviers Bruchsal Jürgen Conrad, griff in seinem Grußwort die Aussagen des neuen Oberbürgermeisters auf, den die große Anzahl der Anwesenden überraschte. Hierzu meinte Jürgen Conrad, dass man daran erkenne, wie gut die Zusammenarbeit aller Rettungs- und Sicherheitsorganisationen in Bruchsal sei, wenn so viele beim Neujahrsempfang da sind. Dies sei auch ein sichtbares Zeichen nach außen, dass das Netzwerk, von dem Oberst Neumann sprach, tatsächlich existiere. Jürgen Conrad appellierte an die Anwesenden, positiv auf das neue Jahr zu schauen. Man habe es in der Vergangenheit geschafft, alle Einsatzlagen zu bewältigen, und man werde dies auch in Zukunft schaffen.

„Was wünsche ich der Feuerwehr Bruchsal für 2026?“ Mit dieser Frage begann Kreisbrandmeister Jürgen Bordt sein Grußwort, um gleich darauf die Antwort zu geben: „Möglichst wenige Einsätze.“ Dies sei der Bruchsaler Feuerwehr angesichts ihrer hohen Einsatzzahlen zu wünschen, so Bordt. Er erinnerte daran, dass die Feuerwehr Bruchsal – neben ihren Übungen und Einsätzen – Dienstleistungen, wie z. B. Schlauch- und Kleiderpflege, für andere Feuerwehren erledigt, oft bei Einsätzen in anderen Gemeinden unterstützt und auch bei der überörtlichen Ausbildung sehr engagiert ist. Für dieses Engagement bedankte er sich bei den Einsatzkräften, verbunden mit dem Wunsch, dass sie jederzeit gesund wieder von ihren Einsätzen zurückkehren.

Michael Hambsch, THW-Landessprecher Baden-Württemberg, nahm in seinem Grußwort Bezug auf das Thema der zentralen Beschaffung von Fahrzeug und Ausrüstung aus dem Vortag von Thomas Egelhaaf. Er führte aus, dass das THW damit gute Erfahrungen gemacht habe. Sein Fazit zu 2025 hinsichtlich der Zusammenarbeit Feuerwehr und THW war, dass sie jederzeit gut und vertrauensvoll war. Dies wünsche er sich auch für dieses Jahr.

Aus Sicht der Rettungs- und Sanitätsorganisationen war 2025, so Michael Raab (Stadtbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes), ein eher ruhiges Jahr in der Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Wichtig für ihn war der Einstieg in das Thema Bevölkerungsschutz. Man komme nun dahin, dass Rettung weitergedacht werde, als lediglich ein Patient. Es gehe um Schutz und Rettung der Bevölkerung. Er dankte allen Einsatzkräften für die gute Zusammenarbeit und wünscht sich, dass 2026 eher auch ein ruhiges Jahr wird.

Mit einigen abschließenden Worten von Kommandant Molitor endete der offizielle Teil des Neujahrsempfangs.

Bericht: Thomas Bottling

Bilder: Feuerwehr Bruchsal

Einsatzberichte dieses Jahr veröffentlicht

28

Brandeinsätze 16
   davon Brandmeldeanlagen 5
      BMA Fehlalarme 5
Hilfeleistungen 10
   davon First Responder 0
Umwelteinsätze 0
Fehlalarme (ohne BMA) 2